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Pressemitteilung 18.06.2015

Neue Zentrale Sterilgutversorgung vorgestellt

Die Umbauarbeiten sind abgeschlossen: In den letzten acht Monaten entstand in Haus 2 des Universitätsklinikums Mannheim während des laufenden Betriebs eine moderne Zentrale Sterilgut-versorgungsabteilung (ZSVA). Auf ca. 1.000 Quadratmetern werden dort täglich etwa 200 Siebe gereinigt und für den Einsatz in den Kliniken der UMM wieder aufbereitet.

Rund 14 Millionen Euro hat die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) in die Modernisierung ihrer ZSVA investiert. Das Regierungspräsidium hatte im Oktober 2014 kritisiert, dass die Aufbereitung der Instrumente nicht mehr den aktuell vorgeschriebenen Qualitäts-standards entsprochen hatte. In enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium haben die Verantwort-lichen den kompletten Produktionsprozess neu aufgebaut. Bei der Planung und Umsetzung des Projektes arbeitete die UMM eng mit einem externen zertifizierten Dienstleister zusammen. Er ist einer der führenden deutschen Spezialisten für den Betrieb von zentralen Sterilgutversorgungsabteilungen und hat als externer Partner ab November 2014 die Aufbereitung des Sterilguts in der UMM übernommen.

Neue Geräte, moderne Technik

Im Zuge der Reorganisation hat die UMM nicht nur in moderne Reinigungs- und Desinfektionsgeräte für Instrumente und Endoskope investiert, sondern auch in eine neue Waschanlage, Container für besonders schweres und teures Instrumentarium und eine leistungsfähige technische Infrastruktur. In Zusammenarbeit mit den Herstellern haben die Verantwortlichen zudem die Bestückung und Zusammenstellung der Siebe analysiert und – in Absprache mit den Fachärzten – optimiert. 80 Prozent der Instrumente wurden ersetzt. Die Siebe sind nun spezifischer ausgerichtet und enthalten im Durchschnitt weniger Instrumente als zuvor. Dafür ist eine höhere Anzahl von Sieben in Umlauf. Eine neu installierte Osmose-Anlage liefert 3.000 Liter Wasser am Tag, die für Waschprozesse und die moderne Reindampfanlage benötigt werden. In Haus 36 entsteht zudem eine zweite zentrale Sterilgutversorgungseinheit. Die Baumaßnahmen haben Mitte März begonnen und werden Ende des Sommers abgeschlossen sein. Zurzeit werden die Kanäle für Wasser, Strom, Abwasser und die Dampfleitung gelegt sowie eine weitere Osmose-Anlage installiert.

Aufbereitung in acht Schritten

Insgesamt sind in der ZSVA an der UMM 637 verschiedene OP-Instrumentenkategorien registriert. Einzig Skalpelle stehen nicht auf der Liste, denn seit mehr als zehn Jahren sind am Klinikum nur noch Einmalskalpelle im Einsatz. Die Aufbereitung der übrigen Instrumente erfolgt in acht Schritten:

1) Vorreinigung, Demontage, Entsorgung: Nach der Nutzung im OP reinigt das Pflegepersonal das Instrumentarium bereits vor Ort grob von Blut und Ge-weberesten. Die OP-Mitarbeiter zerlegen die Instrumente bzw. öffnen die Gelenkinstrumente und legen alle in ein Sieb.

2) Dekontamination: Ein Logistikmitarbeiter bringt die Instrumente zur Reinigung und Desinfektion in die ZSVA. Dort werden sie zunächst auf Beschädigungen hin überprüft und ggf. ausgetauscht. Instrumente, die stark verschmutzt sind, werden mit Ultraschall oder Dampfstrahlern vorgereinigt. Vor dem Einbringen in das Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) wird kontrolliert, ob die Instrumente richtig zerlegt bzw. geöffnet sind, damit alle Teile mit Reinigungsflüssigkeit umspült werden können.

3) Packbereich: Im RDG – ähnlich einem High-Tech-Geschirrspüler – werden die Instrumente gereinigt, desinfiziert und getrocknet. Nach der Entnahme erfolgt eine weitere optische Kontrolle (Vier-Augen-Prinzip).

4) Kontrolle, Pflege und Funktionsprüfung: Bevor die Mitarbeiter im Packbereich die Instrumente entsprechend der Packlisten in die Siebe einlegen, wird deren Funktionstüchtigkeit kontrolliert und sie werden mit Pflegemitteln behandelt.

5) Verpackung und Kennzeichnung: Je nach Einsatz werden die Siebe in ein Vlies, einen Container oder eine Papierhülle verpackt und gekennzeichnet.

6) Sterilisation, Freigabe: Das gepackte OP-Besteck wird – meist per Dampfsterilisationsverfahren – sterilisiert und erneut geprüft: Nur wenn die Charge einwandfrei ist, also die Temperatur, die Zeit und der Druck korrekt waren, erfolgt die Freigabe.

7) Lagerung: Die gepackten Siebe werden so lange gelagert, bis sie im OP-benötigt werden.

8) Nutzung: Vor dem Einsatz im OP kontrollieren sowohl das Pflegepersonal als auch der Operateur abschließend noch einmal, ob das Instrumentarium funktionsfähig und sauber ist. Bestehen Zweifel an der Anwendbarkeit, wird das gesamte Sieb aussortiert.

Präzise Vorgaben für die Reinigung

In der ZSVA sind zurzeit 32 Mitarbeiter im Schicht-Betrieb im Einsatz. Alle Verfahrensschritte, die bei der Aufbereitung zu berücksichtigen sind, werden elektronisch dokumentiert und auf dem Rechner aufgerufen. Die Arbeitsanweisung wird direkt am Arbeitsplatz eingeblendet, das Packen erfolgt auf Basis elektronischer Packlisten. Alle Mitarbeiter, die in der ZSVA arbeiten, besitzen die geforderte Fachkundeausbildung und werden im Hinblick auf die neuen Prozesse kontinuierlich geschult. Im nächsten Schritt soll die ZSVA der UMM nach DIN EN ISO 13485 zertifiziert werden.

Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg und Vorsitzender der unabhängigen Expertenkommission, hat bestätigt: „Durch die stufenweisen und von verschiedenen Personen durchgeführten Kontrollen ist die Sicherheit sehr hoch, dass nur ordnungsgemäß sterilisiertes Instru-mentarium zum weiteren Einsatz kommt.“

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